Werkauswahl

veröffentlicht am 31.7.19

Der Kunstsalon Salzburg 2019 zeigt neben der Sonderpräsentation Arnulf Rainer eine Zusammenstellung von herausragenden Arbeiten der Internationalen Klassischen Moderne und der Kunst nach 1945 sowie singuläre zeitgenössische Positionen. Nachfolgend Details zu besonderen Werken und Werkgruppen.

Klassische Moderne

»Bauernbursche auf Balkon« von August Macke stammt aus der äußerst produktiven Schaffensphase des berühmten Malers, während seines Aufenthalts am Tegernsee von 1909 bis 1910. Die leuchtende Farbigkeit und prägnante Formensprache der Werke aus dieser Zeit zeugen vom Einfluss der französischen Fauves, aber auch der deutschen Expressionisten. Darunter Franz Marc, Mitbegründer der »Blauen Reiter« den Macke zu dieser Zeit kennenlernte. „Ein junger Bauernbursche kam öfter als Modell, August malte nach ihm.“ (Elisabeth Erdmann-Macke, über 1910) Dargestellt ist der dreizehnjährige Franz Drexler aus Sankt Quirin. Macke porträtierte den Schüler auf dem Balkon des Staudacherhauses in Tegernsee, das die Familie Macke damals bewohnte. Die Arbeit stammt aus dem Familienbesitz.

Mit der Eleganz und Leichtigkeit seiner lockeren Linienführung und charakteristisch aufgehellter, kraftvoller Farbgebung schildert der 1877 in Le Havre geborene Künstler Raoul Dufy seine Motivwelten. Als Sohn und Bruder begabter Instrumentalisten interessierte Raoul Dufy sich leidenschaftlich für die bildnerische Auseinandersetzung mit dem Kosmos der Musik. Innerhalb dieser wichtigen Werkgruppe nimmt das in leuchtendem Rot gehaltene Gemälde aus der Zeit um 1940 einen besonderen Platz ein - die Musiker scheinen in ihren schwarzen Fräcken rund um den dominanten Flügel im Zentrum zu vibrieren, über der Szene schwebt ein temperamentvolles Gefühl der Freude.

Die für Fernand Léger so typisch nur in Umrissen mit schwarzer Tusche ausgeführte Figurengruppe mit Fahrrädern, Les Loisirs, aus dem Jahre 1944 steht für die Erholung von der Arbeit und stellt Freizeit als Ausdruck von Freiheit und Lebensglück dar. Die Arbeit ist einer der ersten Entwürfe zu dem berühmten Gemälde von Fernand Léger „Les Loisirs: Hommage à Louis David“, entstanden 1948/49, das sich heute im Musée National d’Art Moderne Centre Pompidou in Paris befindet. Die Mechanisierung der Welt war ein für Léger zentrales Thema, das Fahrrad wird als viel verwendetes Freizeitgerät der einfachen Leute ein ebenso wichtiges Motiv. Die Industrialisierung und somit Mechanisierung des Lebens steht im Mittelpunkt seines Werks, - so sieht Léger auch den Menschen letzten Endes als eine maschinelle Konstruktion.

Wien um Neunzehnhundert

Die Pionierleistungen der Künstler des Fin de Siècle, allen voran Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka waren die intensive Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper. Im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen die vielfältigen Dimensionen körperlicher wie psychischer Erfahrung, die sie mit furchtloser Neugierde sondieren. Egon Schiele stellt in seiner Zeichnung „Die Sinnende“ aus 1913 einen intimen Moment dar. Das Blatt zeichnet sich durch die einzigartige Perspektive und Linienführung aus. Für Gustav Klimt zählte das Brust- oder Halbbildnis in allen Phasen seiner Entwicklung zu den beliebtesten Motiven. Die unter anderem im Kunstsalon präsentierten Papierarbeiten „Kauernder Halbakt“ 1917/18 und „Brustbildnach rechts“ von 1916 zeichnet sich vor allem durch ihre souveräne Linienführung und Darstellung aus, welche charakteristisch für die letztens Lebensjahre des Künstlers ist. Oskar Kokoschka ist ein Meister des reinen Aquarells. Eine Technik, die keine Ausbesserung möglich macht. Im Zentrum seiner Aquarelle aus der Zeit in Dresden, um 1920, stand der Mensch, den Kokoschka mit spontanen sicheren Pinselzügen darstellte. Den Körper der Figur bilden locker aneinander gefügte, stark kolorierte Farbflächen. Die stumpfe Farbwirkung erreichte er durch ein sehr saugfähiges Papier. Kokoschka löste die Ausgangsform des Körpers auf und begrenzte sie nur an wenigen Stellen mit Konturen. Vor allem dem Gesicht und der Mimik, wie auch bei dem „Knienden Mädchen“ schenkte Kokoschka besondere Beachtung. Die breite Pinselführung und ineinander fließende Farben, die mit dem Hintergrund verschmelzen, sind charakteristisch für diese Werkphase. Die Wiener Moderne beeinflusst nachhaltig die avantgardistischen Künstler in Wien von der Nachkriegszeit bis heute.

Kunst nach 1945

Emotion, Aggression, Spiritualität, Abdeckung, Stilllegung

Arnulf Rainers Übermalung mit Ecke, entstanden 1959 – 62, ist eine kontemplative Stilllegung von Spuren von Vorangegangenem. Das Außergewöhnliche an dieser frühen Übermalung ist die aufgeregt pastos um-malte Restgestaltung des Freiraumes rechts oben. Die Oberfläche, als geschlossener Farbauftrag, lässt die Struktur des immer wieder Darunterliegenden erkennen. Bei dieser Übermalung entstand trotz eines aggressiven persönlichen Pinselstrichs eine ganz exakte, bewusst gesetzte, ausgewogene und harmonische Schönheit in der Gestaltung. Max Weiler eine Generation vor Arnulf Rainer malte in dieser Zeit 1963 den Zyklus „Wie eine Landschaft“. Zufall, Spiritualität und Prozesshaftigkeit lassen die Innenschau einer unendlichen Landschaft sichtbar werden.

Licht Technik Natur

Gerhard Hoehmes »Borkenbilder«, 1958, die aus abgekratzter Farbe von alten Leinwänden oder ungültigen Bildern entstanden sind, um neue materiestarke Werke (Reliefs) zu konzipieren, zeigen den experimentellen Hoehme. Sein gesamtes Schaffen kreist um das Knüpfen von Beziehungen – zwischen Bild, Betrachter und Raum, zwischen materieller Welt und der des Geistes und der Poesie. Übergänge zwischen der Fläche des Bildes und dem realen Raum zu schaffen, die Entwicklung der Farbe in den Raum hinein, faszinierten ihn. Bild und Objekt interpretierte er als offenes, energetisches Feld, das sich auf die Umgebung und in den dreidimensionalen Raum ausdehnt.

Die Zero Bewegung ist vertreten durch Werke von Heinz Mack und Otto Piene aus den 50er und 60er Jahren. Die Arbeiten sind eine Malerei ohne Thema. Licht, Luft, Feuer, Materie, Zufall lassen den Betrachter eine „Ruhe in der Unruhe“ (Heinz Mack) empfinden. Farbe und Form ist losgelöst von allen Emotionen. Bei den Arbeiten von Hans Bischoffshausen aus dieser Zeit geht es um Struktur, um Leere und Fülle erzeugt durch Licht und Schatten. In diese auf Form und Farbe reduzierten Arbeiten passt auch das Werk von Yayoi Kusama „Early Spring“ 1983. Bewegung und optische Täuschung sind die Mittel der Op Art. Angel Duartes Skulptur aus 1970 ist aufgebaut aus mathematisch berechneten Formen. Einen völlig neuen Skulptur-Begriff schafft Franz West durch seine mittels Gips oder Papiermache verkleidete Gebrauchsgegenstände und Metallgerüste.

Zeitgenössisch aktuelle Positionen sind vertreten durch Ross Bleckner, Manolo Valdés und Kwang Young Chun.

Ergänzend präsentieren wir auch klassische und zeitgenössische Fotografie von Otto Steinert, Frank Horvath, Lucien Clergue, Walker Evans, Sugimoto, Richard Mosse und Elger Esser um nur einige zu nennen.