Sonderpräsentation Arnulf Rainer

veröffentlicht am 23.7.19

Der Kunstsalon zeigt 2019 ausgesuchte Face Farce und Body Pose Arbeiten von Arnulf Rainer in einer Sonderpräsentation in der Sala Terrena. Die vorangestellten Zitate beschreiben eindringlich seine Idee und künstlerische Intension dazu. Diese Werkgruppe hat, nach den frühen Übermalungen, eine besondere Bedeutung in Arnulf Rainers Oeuvre. 1972 auf der Dokumenta 5 werden Kreuzübermalungen und Face Farces gezeigt und auf der Biennale in Venedig 1978 erlangte er damit im österreichischen Pavillon erstmals international große Beachtung. Die Selbstdarstellungen sind eine gleichzeitig mit dem Wiener Aktionismus entstandene Werkgruppe in der sich Rainer intensiv und exponiert mit Verrenkungen und Grimassierungen seines Gesichtes und seines Körpers auseinandersetzt. Durch Akzentuierung mittels ….Verschiebungen, Schwellungen und Überlinierungen plustert er sich auf wie ein Truthahn… Es entstehen momenthafte Verbindungen von Ernstestem und Lächerlichstem.1 Besonders hervorzuheben ist eine großformatige Arbeit - 120 x 80 cm, Mischtechnik und Silber-Gelatin-Abzug auf Karton auf Holz, entstanden 1969. Die in dieser umfangreichen Werkgruppe vergleichsweise wenigen Arbeiten in dieser Größe befinden sich in musealen Sammlungen, wie in der Albertina, und in einigen hochkarätigen privaten Sammlungen (u.a. Sammlung Helmut Zambo, Sammlung Burda, Sammlung S.K.H. Herzog Franz von Bayern). Neben dem Format, zeichnet sich diese Arbeit durch intensive Farbigkeit und expressive Dynamik aus. Das zugrundeliegende Foto ist eines der frühesten Automatenfotos. In den sechziger Jahren beschäftigte sich Arnulf Rainer intensiv mit der Zeichnung verschiedenster Gesichter und Grimassen. Im Augenblick des Zeichnens spiegelten sich diese Karikierungen auf seinen eigenen Gesichtszügen wider. 1968 entstanden erstmals Gesichtsbemalungen (dokumentiert von Peter Baum). Sein Körper wurde zum Ausdrucksmittel. Zuerst physisch und in weiterer Folge durch Fotografie. Nach ersten Aufnahmen in einer Fotoautomatenkabine am Wiener Westbahnhof arbeitete Rainer mit unterschiedlichen Fotografen, die in den richtigen Momenten auf den Auslöser drückten.

Von der gewollten Intensität des Abbildes seiner Verzerrungen enttäuscht, begann Arnulf Rainer die Fotos seiner mimischen Farcen zeichnerisch zu überarbeiten. Das Überzeichnen der eigenen Personalfotos stellte für den Künstler sowohl eine akzentuierte Selbstreproduktion als auch eine symbolische Wandlung und Eigenauslöschung dar. Mit seinen Face Farces und Body Poses verband Rainer das schauspielerische und das grafische Ausdrucksmedium zu einer einzigen Kunstform. Ihn interessierte die Steigerung der physisch-körperlichen Expression. Seine Posen sind eine Suche nach den möglichen und unmöglichen Menschen, die in uns allen stecken.

Zu sehen sind zwanzig Überarbeitungen basierend auf den unterschiedlichsten Fotositzungen. Sie alle sind zwischen 1968 und 1975 entstanden. Ergänzt wird diese Präsentation durch Fotografien von Elisabeth Mejchar und Peter Baum, die Arnulf Rainers Arbeit dokumentieren. Kataloge von den wichtigsten Museumsausstellungen und zahlreiche Publikationen veranschaulichen die Vielfalt dieser Werkgruppe.

Ich betrachte Kunst als etwas, das den Menschen erweitern soll… —Arnulf Rainer, 1972

Wenn ich zeichne bin ich aufgeregt, spreche mit mir selbst, verziehe mein Gesicht, beschimpfe Leute, bewege und verwandle mich permanent als Leib, Charakter und Person. Diese Nebenerscheinungen bei der Bildnerei wollte ich verselbständigen. —Arnulf Rainer, 1971

Die Fotografie allein ist jedoch nicht in der Lage, eine bewegte oder statisch-konzentrierte Anspannung adäquat zu vermitteln. Um dem näher zu kommen, überzeichne ich das Foto. Es ist dies keine Retuschierung, sondern eine Akzentuierung, eine Wiederdynamisierung des erstarrten Moments. —Arnulf Rainer, 1973

Im Theater und im Tanz war ja immer schon eine Körpergestaltung da, nur ist sie unter einer höheren Idee gestanden, unter der Rollenidee oder unter der Form der Grazie und der Anmut. —Arnulf Rainer, 1973

1.) Vergl. Arnulf Rainer, Schriften, Ostfildern 2010, Selbstinterview 1972, S. 90